"Für mich die Bratkartoffeln...


... aber vegan zubereitet, bitte."

Peinliche Stille tritt ein, hier am Tisch im Restaurant mitten in der City einer norddeutschen Kleinstadt. Hinten, am anderen Ende des Tisches, räuspert sich mein Schwiegervater kurz und trocken. Am Nachbarstisch klappert ein junges Mädchen leise mit dem Besteck. Die Bedienung heißt Tamara, so steht es zumindest auf dem Schildchen, welches sie am Kragen trägt. Der Rock steht ihr gut, aber die weiße Bluse ist nicht mehr ganz sauber und passt auf eine unbestimmbare Art und Weise nicht richtig. Der Herr am Fenster lacht kurz auf, während er die Speisekarte studiert. Komisch, ich hatte da gar nichts witziges drin gefunden.

"Ohne Speck, oder was meinen Sie?" fragt Tamara mit einem nur ganz leicht genervtem Gesichtsausdruck.

"Nee, vegan. Ohne Speck, ohne Ei und Butter, in einer Pfanne zubereitet, in der nicht unmittelbar vorher Teile eines Tiers gebruzzelt wurden. Mit Pflanzenöl. Mit frischem." Schwiegermutter, sie hat die große Salatvariation bestellt - á la carte, also mit den Putenbruststreifen (ich finde das Wort schon eklig) - schaut betreten in die Karte.

"Also, ohne Speck geht, aber ohne Ei und Butter können wir nicht!"

'Können Sie was nicht?' will ich kurz fragen, beschränke mich aber auf ein weniger provokantes "Warum?"

"Weil der Koch die immer mit Ei macht, das geht doch auch gar nicht anders."

Oder deswegen, weil die Bratkartoffeln als eingekauftes "Convenience" Produkt portionsweise in Plastik eingeschweißt im Kühlschrank liegen, lautet mein nächster Gedanke. Stattdessen frage ich, was sie mir denn empfehlen würde, wenn ich etwas Veganes essen möchte.

"Sonst schauen Sie doch nochmal in die Karte, ich kann gleich nochmal rumkommen."

"Nee nee, ich will ja nicht raten, sondern beraten werden", versuche ich die Zufuhr von Nahrung zeitlich in eine für die anderen Anwesenden akzeptable Schiene zu lenken. Schließlich können meine Schwiegereltern nichts für meine Ansprüche, das Essen betreffend. Jürgen sieht sehr hungrig aus und so kurz vor Weihnachten, mit einem teuren Garmin fürs Rennrad auf dem Wunschzettel, will ich seine Laune nicht über Gebühr strapazieren.

"Einen Salat können Sie ja nehmen, wobei ich bei der Soße nicht weiß, was drin ist."

"Okay, dann den Salat. Aber ohne Dressing, nur mit Essig und Öl - separat - bitte."

"Das nehm' ich dann auch, bitte." schließt sich meine Frau an.

 

So endet das oft, hier draußen auf dem platten Land. Natürlich verstehe ich, dass sich das gastronomische Angebot in erster Linie an der Nachfrage orientiert. Kein wirtschaftlich denkender Restaurantchef legt sich Produkte auf Halde, die er innerhalb der Haltbarkeitsfrist nicht verkauft - beziehungsweise verkocht - bekommt.

Muss er aber auch gar nicht. Vegane Kost zeichnet sich schließlich dadurch aus, dass sie aus Dingen zusammengesetzt ist, die ohnehin in jeder besseren Küche zu finden sind. Aus Gemüse, in erster Linie.

 

Ja, sagt nun der vom Lifestyle genervte Skeptiker bezüglich Aasfreier Nahrung, aber Quinoa, Chiasamen und das ganze andere exotische Superfoodzeugs mit unaussprechlichen Namen ist teuer, liegt halt eben doch nicht einfach so im Vorratsschrank und gehört ja nun unbedingt zur veganen Modeküche für intellektuelle Weltverbesserer dazu. Quatsch, sage ich! Gar nicht gehört es das!

Superfoods sind nicht, im Vergleich mit klassischen, heimischen "Foods", so sehr viel mehr super. Und die Klassiker wachsen hier um die Ecke und müssen nicht aus andrer Herren Länder aufwändig importiert werden. Vieles kann man sich im eigenen Garten ziehen. Oder auf dem Balkon, ersatzweise. Das meiste gibt's sogar beim Aldi.

 

Was spricht, liebe Restaurantköche, gegen zwei Scheibchen Kohlrabi, mit eifreier Panade in einer Pfanne mit pflanzlichem Schmalz ausgebacken, dazu eine vegane Bratensoße und - Bratkartoffeln, ohne Ei und Speck? Das ist schnell gemacht, und die Zutaten liegen ohnehin irgendwo rum. Lecker ist's obendrein. Und gar nicht teuer im Einkauf.

 

Ansonsten esse ich eben weiterhin lieber zu Hause und lade mir meine Leute hierhin ein. Für labbrigen Salat oder banale Pommes ohne Alles ist mir das Schuhe zubinden zu viel Aufwand. Und meine Gäste können das gesparte Geld dann ja in teure Weihnachtsgeschenke investieren.

Das ist mir eigentlich sogar lieber.

 

Also Kommando zurück, liebe Köche. Macht weiter wie bisher.

Alles ist gut.

 

 

 

 

 

 

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