Fast gefastet...


"Ich glaube, ich möchte das mal probieren!", lasse ich die Worte nach dem Lesen eines Zeitungsartikels beim Frühstück mal wieder viel zu schnell aus mir heraussprudeln, an die Luzie gewandt versteht sich. Die Luzie ist meine Frau, und sie heißt nicht wirklich Luzie.

Sondern Julia. Aber da sie mich an die Kleine aus "Luzie, der Schrecken der Straße" erinnert, nenne ich sie eben so.

Der Artikel dreht sich ums Thema Fasten, was ich Luzie auf ihre Frage "Was'n?" dann auch erkläre.

"Ja, das kann ganz gesund sein, mir ist es das letzte Mal prima bekommen. Mach doch."

Luzie ist eigentlich diejenige, die das Ernährungsthema viel ernster nimmt als ich. Außerdem ist sie kräuterkundlich bewandert und hat rote Haare. Man mag sich dabei jetzt denken, was man auch immer möchte...

 

Die Umstellung auf vegane Ernährungs- und zunehmend auch Lebensweise habe ich ihr zu verdanken. Und das meine ich jetzt gar nicht garstig, mir hat das wirklich etwas gebracht. Das Kochen macht mir viel mehr Spaß, seitdem ich nach Jahren vegetarischer Kost nun auch auf Ei-, Milch- und sämtliche andere Produkte verzichte, an denen ein Tier unter Zwang auch nur vorbeigehen musste. Die Kreativität ist in meine Küche zurückgekehrt, und das bereitet mir Freude. Dementsprechend gerne nehme ich mir die Zeit und kümmere mich immer öfter um's Essen.

Doch zurück zum Fasten. Drei oder vier Tage nach meinem spontan geäußertem (und eigentlich gar nicht so schrecklich ernst gemeinten) Entschluss, das Fasten für mich zu entdecken, ist es wiederum die Luzie, die nun Nägel mit Köpfen macht: "Ich hab' doch nächste Woche Urlaub, dann fasten wir zusammen. Saftfasten. Wir können ja erstmal drei Tage machen, Montag bis Mittwoch."

"Ja, hm, ja. Gute Idee, das machen wir!", stimme ich hocherfreut zu.

Mist! Ich dachte, die vergisst das.

 

Das Ganze kommt aber auch wirklich etwas plötzlich.

Nun ist es ja so: Weil wir kein Fertigzeug oder andere industriell hergestellte Nahrung im Hause haben, ist unser Kühlschrank ständig gefüllt mit hochbrisanter Materie. Also Gemüse, in erster Linie, welches, frisch gekauft, gern zügig gegessen werden möchte. Und selbstverständlich hatten wir vor dem Wochenende eingekauft. Noch vor Luzies freundlichem Unterstützungsangebot. Ahnt ja keiner, sowas...

Was also nun, wohin mit der verderblichen Ware? Mag ja sein, ich überlebe die drei Fastentage - das gute Gemüse aber auf keinen Fall.

Klarer Fall, das Zeugs muss verarbeitet werden. Und zwar alles!

 

Gesagt - getan.

Mit Schrecken denke ich jetzt gerade, nach dem ersten Fastentag, an die unsägliche Fresseorgie zurück, die uns durch den unüberlegten Wochenendeinkauf diktiert wurde. Ein riesiger Topf mit "Michas feinster Erbsensuppe" für locker sechs Personen, eine große Pfanne voller "Austernpilze mit Balsamicogemüse an Vollkornreis" und zwei große Portionen "Shepherds Pie", die es in sich hatten, verursachen beim Schreiben dieser Zeilen schon wieder Bauchzwicken und Völlegefühl. Zumindest aber die unangenehme Erinnerung daran.

An Kalorien jedenfalls dürften wir für die nächsten drei Tage reichlich Vorrat haben und der Abwasch unseres gesamten in Anspruch genommenen Arsenals an Töpfen und Pfannen hält uns sicherlich auch noch etwas beschäftigt.

 

Von daher war der erste Fastentag wirklich erholsam und eine Wohltat für den gestressten Magen.

Obwohl ich ja schon wieder Appetit bekomme. So langsam...

 

 

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