Ficken!


Haha, reingefallen!

 

Im heutigen Blog geht es keineswegs um Tätigkeiten, die mit der Ausübung körperlicher Zuneigung zu tun hätten. Eher geht es eigentlich um das genaue Gegenteil davon, insofern wir von Tätigkeit reden. Nämlich um Untätigkeit. Ich weiß wohl: Fies ist das schon, Leser mit völlig von der Materie abgehobenen Schlagzeilen zu locken, um sie dann mit so profanen Dingen wie dem Klimawandel zu konfrontieren. Aber was willste machen? Wir reden viel zu wenig darüber - und vor allem handeln wir zu wenig.

 

Ich schreibe diesen Blog am heutigen 17. Februar, bei 12 Grad Außentemperatur und strahlend blauem Himmel, den ich aus dem Fenster meiner Schreibwerkstatt mit gemischten Gefühlen betrachte. Nicht weil er so schön blau ist - sondern weil er das zu früh ist. Also trage ich meine Gedanken zum Klima einfach mal zusammen und stelle Sie zur Diskussion.

 

1. Der Klimawandel ist menschengemacht

 

Die einen sagen ja, die anderen sagen nein. Ich sage: Ist doch völlig egal, ob er menschengemacht ist oder eine vom Menschen völlig unbeeinflusste Erscheinung darstellt, die periodisch in der Erdgeschichte immer wieder auftaucht. In erster Linie ist der Klimawandel da. Wer daran Schuld ist? Wen interessiert das, wenn wir hier im Norden Deutschlands demnächst nicht mehr ohne Gummistiefel und Faltboot das Haus verlassen können. Es sollte viel mehr darum gehen, so denke ich, dass wir langsam beginnen, den Wandel als solches zu akzeptieren und uns auf die Konsequenzen einstellen.

Die Schuldfrage ist für mich ohnehin längst geklärt. Natürlich ist der Klimawandel vom Menschen in hohem Maße mit verursacht. Man kann in einem so komplexen System, welches unsere Erde nun mal darstellt, nicht einfach hingehen und über Jahrzehnte hinweg an entscheidenen Faktoren herumpfuschen wie ein kleines Kind im Chemiebaukasten, um dann hinterher zu sagen "ich war das aber nicht". Wenn Regenwälder massiv abgeholzt werden, wenn durch massenhafte Nutztierhaltung und mittlerweile 7 Milliarden Menschen Kohlendioxid in die Luft gepumpt wird, wenn der globale Handel durch die damit verbundenen Transportwege Schadstoffe in die Atmosphäre bläst, dass die Weltmeere eigentlich unter einer Dunstglocke liegen müssten - also mal ehrlich... Wenn meine nichtrauchende Frau an Lungenkrebs zugrunde geht, weil ich als Raucher es nicht unterlassen kann, ihr das Gift, welches ich beim Rauchen ausatme, gewohnheitsmäßig ins Gesicht zu pusten, spricht mich kein Richter von einer Mitschuld frei. Zu Recht, wie ich finde.

 

2. Wir können den Klimawandel abwenden, es ist noch nicht zu spät

 

So ein Quatsch! Da lässt sich gar nichts mehr abwenden. Mit ganz viel Glück gelingt es vielleicht, die Geschwindigkeit des Wandels etwas zu mindern. Aber abwenden? Etwas, dass seine Ursachen in Vorgängen hat die mit der industriellen Revolution einhergingen? Vor 120 Jahren?

Dass Menschen so etwas glauben ist wohl auch die Ursache dafür, dass es Leute gibt die tatsächlich davon ausgehen mit einer "Turbo-Diät" innerhalb von 14 Tagen eine Strandfigur herbeizaubern zu können, obwohl Sie sich die 351 Tage davor eine respektable Plautze angefressen haben.

 

3. Der Klimawandel ist eine Bedrohung

 

Grundvoraussetzung für eine Bedrohung ist für mein Verständnis jemand, der einen bedroht - wozu eine gewisse Absicht gehört. Die Natur jedoch hat keine Absichten. Wie auch? Absichten zu haben ist eine Eigenschaft, die im Allgemeinen einer Planung bedarf, wofür dann wiederum eine Art von Verstand nötig ist. Solche Dinge werden Lebewesen zugesprochen, die Natur aber ist das nicht. Sie ist ein Zusammenspiel von physikalischen, chemischen und biologischen Gegebenheiten. Sie ist weder bös- noch gutartig, sie IST einfach nur.

Wer bedroht hier also wen? Die Antwort ist einfach, wenn auch unschön: Wir sind es, die uns selbst bedrohen. Die Menschen fühlen sich von steigenden Meeresspiegeln, Mikroplastik im Wasser und stetig fallender Luftqualität bedroht. Alles Probleme die vom Menschen selbst verursacht sind. Man fühlt sich bedroht durch eventuelle Flüchtlingsströme aus Ländern, die unter dem Klimawandel noch extremer leiden werden als wir. Dabei schaffen wir - hier in einem reichen Land - doch überhaupt erst die Gründe dafür, dass Menschen aus Ihrer Heimat vor den Klimafolgen flüchten müssen. Der Klimawandel ist keine Bedrohung - er ist ein Problem. Und zwar eines, dass die Menschheit nur zusammen lösen kann indem global an der Bewältigung der Folgen gearbeitet wird. Ohne nationale und finanzielle/wirtschaftliche Interessen. Nie war die Einsicht "Wir atmen alle die gleiche Luft und trinken alle das gleiche Wasser" wichtiger als heute.

 

4. Ich kann ja eh nichts dagegen machen

 

Doch! Kannst du. Eine überwiegende Mehrheit der Bewohner Deutschlands, so ist zumindest das Ergebnis diverser Umfragen, nimmt die Klimaproblematik mittlerweile sehr ernst. Wesentlich ernster, so scheint es, als die Leute, welche von den besorgten Bewohnern als ihre politischen Vertreter in Parlament und Regierung gesetzt wurden. Das habe ich zumindest gedacht, als ich kürzlich in den Nachrichten las, der Bundeswirtschaftsminister hätte, nachdem er mit einer Abordnung der "Fridays for Future" Bewegung gesprochen hatte, die Ziele der Bewegung wohl gelobt, würde sich jedoch wünschen die aktiven Schüler würden ihren Protest außerhalb der Schulzeit stattfinden lassen, statt Freitags einfach auf die Straße zu gehen und dem Unterricht fernzubleiben. "Immer schön alles nach Vorschrift", war mein erster Gedanke, "so ist es den Deutschen recht. Protestieren ist okay, aber bitte nicht auffallen dabei. Und die Mittagsruhe beachten."

"Jetzt erst recht!" war mein zweiter Gedanke. Denn das ist genau der richtige Weg um ein Thema wirklich wichtig zu machen und, vor allem anderen, die Politik und die Verwaltung irgendwann zum Handeln zu zwingen - gegen die gute Ordnung zu verstoßen. Nichts stört den in Amt und Würden gesetzten Deutschen mehr als Verstöße gegen die Ordnung.

Und wie war das denn mit den Protesten im Hambacher Forst? Als der große Aufschrei wegen der dortigen Aktionen rund um die Beseitigung der Baumhäuser, die die Protestanten sich eingerichtet hatten, durchs Land ging waren die Aktionen der Umweltschützer ja nicht neu. Die "Waldbesetzung" dauerte zu dem Zeitpunkt schon eine ganze Weile an, wurde nur mehr oder weniger ignoriert und kleingeredet. Erst als ein Stromkonzern mit dafür eingekaufter Polizei massiv begann, die Störenfriede vertreiben zu wollen - und die sich die Anwendung von Staatsgewalt im Interesse privater Organisationen nicht haben gefallen lassen - erst da wurde es doch interessant. Erst da ging ein Impuls durch die Massen, der im Endeffekt dafür gesorgt hat, dass die verantwortlichen Politiker einlenken mussten - allein schon um die Bilder wild prügelnder Staatsdiener und toter Blogger aus den Fernsehgeräten zu bekommen. Einfach wegzensieren geht seit einigen Jahren bei uns ja nicht mehr so einfach.

 

Die Politik regiert uns mit Angst. Der Angst davor, den Job zu verlieren, davor, demnächst Flüchtlinge aus fernen Ländern zum Nachbarn zu haben und davor gegen die Ordnung zu verstoßen - beziehungsweise der damit einhergehenden Konsequenzen. Politiker bekommen ihre Macht vom Volk. Was viele aber oft vergessen: Das Volk kann den Politikern die Macht auch wieder nehmen, und das nicht nur alle Jubeljahre anlässlich der nächsten Wahl. Und hier haben wir den Punkt, an dem wir - als Bevölkerung - die Politiker beginnen zu regieren, und zwar mit deren Mittel: Angst! Die Angst davor, ihre Macht einbüßen zu müssen. Die Angst davor, die Ordnung nicht aufrecht erhalten zu können. Die Angst vor schlechten Umfragewerten. Mir persönlich ist das gerade im letzten Jahr sozusagen ins Auge gesprungen: Die haben auch Angst. Und das ist auch richtig so.

 

Ein Zitat aus dem Film "V wie Vendetta" fällt mir dabei ein: "Ein Volk sollte keine Angst vor seiner Regierung haben, eine Regierung sollte Angst vor ihrem Volk haben." (im Original: "People should not be afraid of their governments, gouvernments should be afraid of their people").

 

5. Fazit

 

Ich bin inzwischen ein alter Mann - auch wenn ich das von anderen nicht gern gesagt bekomme - und gehöre zu denen, die den ganze Schlamassel, auch durch mein eigenes Verhalten, verursacht haben. Ich habe jahrelang Schadstoffe in die Luft gepustet, habe FCKW-haltige Treibmittel freigesetzt - ich war in meiner Jugend so etwas wie ein Gruftie und habe Haarspray immer in der Großfamilienpackung verwendet - habe völlig bedenkenlos Plastikflaschen gebraucht, und zwar jeweils nur einmal, habe viel zu viel Fleisch von zweifelhafter Herkunft konsumiert und meinen Müll entsorgt, ohne darüber nachzudenken ihn stattdessen besser zu vermeiden. Ich bekenne mich in all diesen Punkten schuldig, und noch in so einigen mehr. Das ist jetzt auch überhaupt nicht lustig oder verharmlosend gemeint. Nein, ich gehöre zu denen, die der Jugend von heute wahrscheinlich ein großes Stück zukünftiger Lebensqualität geraubt haben. Geklaut. Weggenommen. Einfach so.

Ändern kann ich das nicht mehr - und dass es mir leid tut interessiert niemanden der möglicherweise in einigen Jahren nur noch mit Atemschutz und Schwimmflossen vor die Tür gehen kann. Das einzige was bleibt ist euch meine uneingeschränkte Unterstützung für euren Protest gegen die Schweinerei, die meine Generation verzapft hat, zuzusichern und euch zuzurufen: "Brecht Regeln, bringt die Ordnung durcheinander, leistet Widerstand und macht denen, die euch leise halten wollen mächtig Angst. Empört euch - und lasst euch nichts von uns Alten gefallen. Wenn ihr jetzt nicht besser seid als wir damals..."

 

                                ...tja, dann packt uns die Natur an den Arsch - und im Endeffekt sind wir alle, auf der ganzen Welt, ob schwarz, weiß, gelb oder bunt, ob Moslem, Christ, Jude oder selbstständig denkend (Entschuldigung, das konnte ich mir nicht verkneifen), ob Arbeiter, Angestellter, Beamter oder Hilfebedürftiger, Mann, Frau oder Divers, schwul, lesbisch oder hetero - die gefickten.

 

Womit wir den Bogen zur Überschrift dann auch perfekt gespannt haben...

 

(Wenn Sie möchten, dass Ihre Blogbeiträge auch so - oder ähnlich aussehen, sprechen Sie mich einfach an)

 

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