Dinge, die Sie schon immer über Bücher wissen wollten


Man sollte gar nicht glauben, wie viele Menschen offenbar das Bedürfnis in sich verspüren ein Buch zu schreiben.

Das mag verschiedene Ursachen haben. Der eine hat eine Botschaft unters Volk zu bringen, der andere möchte seine persönliche Geschichte teilen. Wieder ein anderer hat eine wunderbar blühende Fantasie und benötigt dringend ein Ventil, damit ihm der Kopf nicht platzt. Und noch ein anderer weiß etwas, von dem er möchte, dass es künftig jeder weiß.

Und dann gibt es natürlich auch die, die berühmt werden möchten - oder einen eigenen Porsche fahren wollen.

 

Alles edle Motive, abgesehen vom letzten. Nichts gegen einen Porsche, aber die Wahrscheinlichkeit sich plötzlich einen solchen leisten zu können ist beim Lotto wesentlich höher als durch mühsames Wörter-Aneinandersetzen. Wenn man davon ausgeht, dass in Deutschland jährlich etwa 90.000 Bücher neu am Markt erscheinen und lediglich eine Handvoll (zwischen 100 und 200) Autoren tatsächlich von der Schreiberei allein leben können, rückt der Zuffenhausener Bolide in doch eher weite Ferne. Da ist sogar die Chance auf einen gebrauchten Smart nicht besonders groß.

 

Lassen wir also das Träumen und beschäftigen uns mit den bodenständigen Dingen:

 

Wie werde ich eigentlich Buchautor?

 

Ganz einfach: Gar nicht! Entweder Sie sind einer - oder Sie sind das eben nicht. Es gibt keine Ausbildung in dem Bereich, das ist nicht wie bei einem Handwerker, Kaufmann oder Beamten. Man entscheidet sich nicht als Jugendlicher aus einer Vorliebe für Holz, KfZ Technik, Dinge verkaufen oder im letzten Fall einer Vorliebe für eine sichere Altersvorsorge, wie in den genannten Beispielen, für den Beruf des Autors. Wenn der Autor nicht schon seit langer Zeit in Ihnen schlummert, dann werden Sie halt keiner. Das ist aber gar nicht schlimm, der größte Teil der Menschheit ist kein Autor.

 

Also setzen Sie sich hin und schreiben. Wenn das gelingt und Sie den Stift (beziehungsweise das Laptop) nicht gleich wieder in die Ecke werfen (was im Falle des Laptops bedauerlich wäre), sind Sie ein Autor, oder haben zumindest begonnen einer zu sein. So simpel ist das.

 

Wie entsteht ein Buch?

 

Jetzt wird es ein wenig kompliziert. Obwohl, eigentlich doch nicht. Zumindest dann nicht, wenn wir vorerst keinen Unterschied zwischen einem Buch und einem Manuskript machen, sondern das Ganze erstmal als Werk betrachten. In dem Fall ist die Entstehung eines Buchs stumpf die Konsequenz des Autor-Seins. Wenn also der Stift oder das Laptop nicht in die Ecke fliegt, sondern endlich irgendwann in Frieden auf den Tisch gelegt, respektive auf dem Tisch liegend zugeklappt wird, dann ist das Buch - also das Manuskript - fertig. Punkt. 

Der Prozess, der dazu führt das Werk in Frieden betrachten zu können, ist bei jedem Autor möglicherweise ein ganz eigener. Es gibt Schriftsteller, die ein Manuskript in einem Rutsch durchschreiben, vielleicht weil die Ideen nur so sprudeln und die entsprechende Geschichte im Kopf komplett ausgearbeitet auf Abruf bereit liegt. Bewundernswert, sowas... Walter Moers nennt diese Art der Inspiration in seinen Romanen um die Gestalt des Hildegard von Mythenmetz herum wohl das "Orm".

Eine andere Autorenpersönlichkeit geht die Sache dann möglicherweise im biblischen Sinne an und beginnt das Schaffenswerk aus dem völligen Chaos heraus, schreibt, verwirft und revidiert fröhlich vor sich hin bis am Ende eventuell etwas völlig anderes auf dem Papier steht, als die anfängliche Idee auch nur erahnen ließ.

Der nächste Autor hält es mit seinem Manuskript wie mit gutem Wein, der im Keller vor sich hin altert und alle Jubeljahre in seiner Flasche einmal gedreht werden muss. Das Manuskript wird aus der Schublade geholt, wenn eine Idee im Kopf entsteht, und dann wieder zurückgelegt um zu reifen. Sowas dauert unter Umständen ein paar Jahre, das Ergebnis überzeugt aber oft.

Für die Masse der Autoren hat es sich jedoch bewährt auf gewisse Techniken zurückzugreifen, was immer dann empfehlenswert ist, wenn die Muse sich mit ihrer Knutscherei eher zurückhält - oder das "Orm" (man merkt vielleicht, ich bewundere Herrn Moers sehr) in vergleichsweise geringen Dosen fließt.

 

Gehen wir auf diese Techniken doch einmal kurz ein:

 

Die Stoffsammlung

 

Es ist nicht entscheidend wie ein Buch beginnt. Auch nicht, wie es endet. Wichtig ist, was dazwischen passiert.

Eine Geschichte lebt von ihrer Entwicklung. Romane, von denen lediglich in Erinnerung bleibt dass am Ende alle tot sind, gibt es schon genug. Als Leser will ich aber wissen wer das ist, der dahinscheidet, warum er das tut und wie es dazu kommt. Und wer hat das Ableben der beteiligten Personen verursacht, warum hat er das getan - und warum ist auch er am Ende tot?

Malen Sie sich ihre Geschichte aus und sammeln Sie alle Informationen, die Ihre Story lebendig werden lassen. Wenn Sie auf Dinge stoßen, die Sie selber nicht wissen, dann recherchieren Sie. Schreiben Sie sich Ihr Bild auf, in allen Details. Wo findet die Handlung statt, welches Wetter herrscht dort gerade, wie sind die geografischen Begebenheiten das Handlungsortes? In welcher Zeit findet die Handlung statt, wie sah es zu der Zeit am Ort der Handlung aus? Wer ist an den Handlungen beteiligt, wie heißen diese Leute und was macht sie aus? Welche Charaktereigenschaften haben die Personen und inwiefern beeinflusst das die Handlung? Welche Entwicklung durchlaufen die Handelnden, welche Erfahrungen machen Sie im Verlauf des Geschehens und wie gehen sie damit um? Diese und noch viele weitere Fragen könnten Sie sich stellen, um Ihre Geschichte mit Leben zu füllen.

 

"Peter ging die Straße entlang" zum Beispiel ist eine Information, mit der Sie als der Erzählende sicherlich etwas anzufangen wissen, sie haben das beobachtet und ein dementsprechendes Bild dazu im Kopf. Wenn Sie mir den Sachverhalt dann so schildern, schenke ich Ihnen vielleicht ein wenig höfliche Aufmerksamkeit. Haften bleibt Peters Gang die Straße hinunter aber sicherlich nicht. Ehrlich gesagt werde ich die Geschichte vergessen noch bevor Sie Ihren Satz beenden.

 

"Neulich nachts, das war bitterkalt draußen, ging Peter dick eingepackt im funzeligen Licht der altmodischen Straßenlaternen im Viertel eine Nebenstraße entlang und versuchte dabei unter seinen dicken Ohrschützern zu horchen, ob nicht eventuell hinter ihm irgendein besoffener Idiot aus einer Kneipe stolpernd Streit suchen würde - eine ganz unheimliche Situation." So, jetzt haben Sie mich, jetzt höre ich zu und will wissen wie die Sache ausging.

 

Klar ist das ganz schön viel Schreiberei um eine so banale Sache. Aber Hey, das ist der Job!

 

Das Konzept

 

Bei der Konzepterstellung geht es im Grunde um nichts weiter, als dem gesammelten Stoff eine Struktur zu verleihen, darum, Ordnung ins Chaos zu bringen.

Wie wird das Buch aufgeteilt, wie verteile ich meinen Stoff auf verschiedene Kapitel und wie sollen diese Kapitel den Handlungsverlauf spannend und leicht verständlich aufteilen? Wo treten neue Personen auf und wo nimmt die Handlung entscheidende Wendungen? Aber auch ganz grundlegende Dinge fließen hier mit ein: Welcher Erzählstil ist passend, lasse ich jemanden berichten, erzählen die Handelnden selber oder wähle ich eine Mischung aus beidem? Welchen Umfang empfinde ich als angemessen und wo setze ich der Geschichte ein Ende - womöglich auch nur ein vorläufiges? Die Erstellung des Konzepts ist also schnell beschrieben, beinhaltet aber trotzdem einiges an Kopfarbeit.

 

Das Schreiben

 

Wirklich viel steht ja bisher noch nicht auf dem Papier, also sollte die eigentliche Arbeit nun langsam mal beginnen.

Wichtig dabei: Schreiben Sie so, wie Sie sich dazu in der Lage fühlen. Haben Sie heute keine Lust? Dann schreiben Sie nicht. Stehen Sie unter Termindruck? Erledigen Sie Ihre Geschäfte und lassen Sie das Schreiben für heute sein. Haben Sie den Kopf voll mit Alltagssorgen? Machen Sie eine Pause. Sind Sie gestresst, im Beruf total verplant? Kümmern Sie sich um diese Dinge und lassen Sie das Schreiben kurz ruhen. Sind Sie deprimiert oder unglücklich? Lassen Sie das Manuskript in der Schublade. Es sei denn, Ihre Stimmung passt zur Handlung. Dann hauen Sie in die Tasten.

Ansonsten orientieren Sie sich am besten an Ihrem Konzept, dafür haben Sie es ja erstellt - aber haften Sie nicht sklavisch daran. Gute Einfälle lassen sich nicht erzwingen. Sie kommen - und gehen - wie sie lustig sind.

 

Wie bringe ich mein Buch in den Handel?

 

Jetzt kommen wir an den Punkt, an dem die meisten scheitern.

Dazu eine kurze und nicht wirklich präzise Rechnung: Auf einen Bestseller-Autor kommen 100 Autoren, die mäßig verkaufen. Auf jeden dieser 100 Autoren kommen wiederum 100, deren Manuskripte von Verlagen abgelehnt werden. Und auf jeden abgelehnten Autor kommen möglicherweise wieder 100, wenn nicht mehr, die ihr Werk gar nicht erst einreichen. Diesem simplen Überschlag zufolge werden pro Bestseller also 10.000 (in Worten: Zehntausend) Manuskripte von Verlagen nicht angenommen und dementsprechend nicht verlegt - bei mehreren Bestsellerlisten in verschiedenen Sparten mit monatlicher Aktualisierung. Sie erinnern sich an die Eingangs erwähnte Chance auf den Porsche?

 

Wie Sie Ihre Aussichten auf eine Verlagszusage - oder zumindest auf die dafür erforderliche Beachtung Ihres Manuskripts - steigern können und wie Sie nötigenfalls auch ohne Verleger dazu kommen Ihr eigenes Buch in der Auslage des Buchhandels bewundern zu dürfen, verrate ich Ihnen im nächsten Blog - bevor dieses hier noch die Ausmaße eines erwachsenen Romans annimmt. Ich habe einen Hang zu sowas...

 

Also: Dranbleiben!

 

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