Dinge, die Sie schon immer über Bücher wissen wollten - Teil II


Im ersten Teil  dieses Blogs hatte ich zum Schluss hin kurz einmal überschlagen, wie überhaupt die Chancen stehen ein Buch zur Veröffentlichung zu bringen. Es versteht sich von selbst, dass es Faktoren gibt, die diese Chance in nicht unerheblicher Weise zu beeinflussen im Stande sind.

 

Schreiben Sie gerade an einem Buch, dessen Thema oder Inhalt einem aktuellen Trend Folge leistet, mag der eine oder andere Verleger die Gelegenheit erkennen, schnell auf einen gut in Fahrt befindlichen Zug aufspringen zu können. Sie können solche Entwicklungen im Buchhandel regelmäßig beobachten: Jedes erfolgreiche Konzept lockt "Trittbrettfahrer" nahezu magisch an. Harry Potter ließ eine ganze Flut an magisch angehauchten Romanen auf uns (Leser) los, im Zuge des Tolkien-Revivals hat der komplette "Whole-World" Fantasy Bereich wahre Blüten geschlagen - mit den Fire and Ice Komplexen (Game of Thrones) hat sich sogar ein Ableger entwickelt, der eigenständig Kopisten nach sich zog, und die derzeit sehr angesagte Ostfriesen-Reihe des Krimiautors Klaus-Peter Wolf lässt gerade den regional geprägten Kriminalroman boomen.

 

Themenauswahl ist also sicherlich ein Faktor, aber keiner der für jeden von uns - als Autor - wirklich ausschlaggebend ist. Wenn Sie Ihre Geschichte erzählen wollen, diese aber nun mal so gar nichts mit Mord und Totschlag, Ostfriesen, Orks und Hobbits oder Zauberlehrlingen zu tun hat, dann bringt Trendbeobachtung Ihnen nichts. Außer vielleicht... Ja, eigentlich bringt es Ihnen doch etwas. Erstens nehmen Sie mal wieder ein gutes Buch in die Hand und zweitens ist es gar nicht mal so uninteressant zu sehen, wie die Bücher geschrieben sind, die sich gut verkaufen. Als Inspiration für die eigene Arbeit, quasi.

 

Der Verlag, die große Hürde

 

Eigentlich quatsch, oder? Der Verlag ist ja nicht die Hürde auf dem Weg in den Buchhandel, sondern eher die Schwelle, der große Türöffner. Nun ist es aber halt so, dass der Verlag Ihr Buch ersteinmal, nunja, verlegen muss, bevor es in den Auslagen der Geschäfte - hoffentlich nur kurzweilig - liegt. Und da liegt das Problem. Beziehungsweise liegt es darin, dass ein Verlag in erster Linie ein wirtschaftlich handelndes Unternehmen ist. Um seinen Zweck zu erfüllen, muss ein Verlag also Geld verdienen - und das tut er nicht, wenn er aufs Geratewohl einfach so jedes Manuskript vermarktet, das gerade so herumliegt. Wenn Sie das bitte nicht auf das Ihrige beziehen möchten.

 

Ein Verlag beschäftigt daher Mitarbeiter,  die eingereichte Autorenunterlagen einer mehr oder weniger eingehenden Prüfung unterziehen, die sich teilweise auf die weiter oben aufgeführten Faktoren beziehen - aber eben auch darauf, ob eingereichtes Material dem Verlagsprogramm entgegen kommt und qualitativ zumindest auf einem Standard angesiedelt ist, auf dem sich aufbauen lässt. Beurteilt wird Ihr Buch bis dahin nicht anhand des von Ihnen mühevoll in eine schöne Form gebrachten Manuskripts, dies wurde bis dahin noch nicht einmal angeschaut, sondern unter Zuhilfenahme eines Exposés.

 

Das Exposé - der Schlüssel zum Erfolg

 

"Wie war die Woche?" begrüßt seine Ehefrau den Marketingleiter des kleinen Verlags, als dieser von seiner üblichen 120 Stundenschicht fürs Wochenende nach Hause kommt. "Recht entspannt", erwidert er, ein Gähnen höflich in der offenen Hand versteckend, "ich hatte nur 15 Romanmanuskripte á 400, 500 Seiten zu lesen. Für eines habe ich mich fast entschieden. Ach, und die Kaffeemaschine hat schon wieder den Geist aufgegeben, dabei hatte ich extra das Modell für Großkantinen bestellt. So ein Ding muss doch wohl mal ein paar Tage Dauerbetrieb durchhalten!" "Ach was ein Mist" - die Frau wieder, "das Ding war wirklich teuer. Übrigens, unsere Tochter ist letztens ausgezogen" "Ach" sinniert er vor sich hin, "ist das so? Wie hieß sie noch gleich?"

 

Solche und ähnliche Dialoge wären vermutlich Standard im familiären Umfeld der Mitarbeiter eines Verlags, wenn jeder, der sich für einen Autor hält seine Manuskripte einfach so zur Ansicht an Verlage schicken würde. Zum Glück für die auch ansonsten nicht unterbelasteten Profileser ist so etwas schon lange nicht mehr Usus. Die Schriftsteller, die vor Selbstbewusstsein strotzend heute noch komplette Werke unaufgefordert einem Verlag zur Bewertung einreichen, hören meist nie wieder etwas bezüglich ihres Schriftsatzes. Mit Glück eine höflich verfasste Absage - mit Sicherheit aber keine Verlagszusage. Seltenst werden in Verlagen unaufgefordert eingesendete Manuskripte überhaupt noch gelesen. Wer bitte soll dafür auch die Zeit haben? Bei der Masse an jährlich verfassten Büchern? Sie erinnern sich an die Annäherung aus dem ersten Teil dieses Blogs?

 

Angenommen, Sie wollen ein Haus kaufen und beauftragen einen Makler, sich auf dem Markt einmal für Sie umzusehen. In der Folge erwarten Sie wohl kaum, dass der Makler plötzlich bei Ihnen vor der Tür steht und Sie einen ganzen Tag lang, aus heiterem Himmel heraus, von einem möglichen Objekt zum nächsten fährt. Und wahrscheinlich möchten Sie das auch gar nicht. Stattdessen erwarten Sie, ordentlich in eine E-Mail gepackt, die eine oder andere aussagefähige Objektbeschreibung, hübsch mit Fotos und den wichtigsten Details zum jeweiligen Haus: Ein Exposé. Besser noch im Plural, der Auswahl wegen. Genauso läuft der Hase im Verlagswesen, wenn Sie als Autor Ihr Werk einem Verlag anpreisen möchten, dann funktioniert das über ein Exposé. Schauen wir uns ein solches mal im Detail an:

 

Die Stammdaten

 

Name, Anschrift, E-Mail, Telefon. Fertig. Ein Exposé ist prinzipiell nichts anderes als eine Bewerbung, und da gehört so etwas eben rein.

 

Über das Buch

 

Titel, beziehungsweise Arbeitstitel, voraussichtlicher Umfang des Werks, Genre und Zielgruppe

 

Über den Autor, Motivation und Hintergrund

 

Was bewegt Sie dazu dieses Buch zu schreiben, gibt es einen beruflichen oder privaten Hintergrund zum Thema? Schreiben sie unter Pseudonym? Hier taucht auch direkt ein kleiner Stolperstein auf: Die meisten Autoren schreiben ungern über sich selbst in der dritten Person. Augen zu und durch, tut gar nicht weh.

 

Abstrakt

 

Jetzt kommt er. Jeder hat davon gehört und kaum einer kennt die Geschichte dahinter: Der Elevator Pitch!

Geboren wurde der Elevator Pitch (Die Ansprache im Fahrstuhl) wohl im New York der 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts, als ein Angestellter der Finanzbranche mit einer wichtigen Geschäftsidee im Kopf, bei dem Versuch einen Termin bei seinem höchstbeschäftigten Vorgesetzten zu bekommen diesen im Fahrstuhl traf. Die Gelegenheit beim Schopfe packend sprach er den Boss nun auf seine Idee an und ob er ihm diese bei Gelegenheit vortragen dürfe. Der gehetzte Manager schaute auf die Anzeige der noch zu fahrenden Stockwerke und sagte: "Die Gelegenheit ist jetzt. Sie haben drei Stockwerke Zeit!" Seitdem hat diese Form des Statements sich zu einer wahren Kunst entwickelt - also genau das, was wir Autoren doch eigentlich beherrschen sollten. Aus dem Effeff. Aber Pustekuchen, die wenigsten handhaben den Pitch wirklich befriedigend. Wen wundert das auch? Da hat man 500 Seiten Text zusammengetragen, in monate-, vielleicht jahrelanger Schufterei - und nun soll das Ganze auf zwei, drei Sätze komprimiert werden? Au Weia!

 

Dabei ist der Pitch wirklich ein tolles Medium: Er

 

- weckt Neugier beim Zuhörer/Leser

- zwingt den Vortragenden sich Gedanken über sein Werk/seine Idee zu machen

- spart unglaublich viel Zeit

 

und ist somit die halbe Miete, wenn es um Ihr Exposé geht, oder eher um die Absicht dahinter - nämlich Ihr Werk zu verkaufen.

 

Was weiter in ein ordentliches Exposé gehört, damit der Eingangslektor des Verlags Ihrer Wahl nach dem erfolgreichen Pitch den Input bekommt, den er für eine Entscheidung benötigt, lesen Sie im nächsten Teil dieses Blogs - der die Tage in Arbeit geht. Bis dahin üben Sie doch einfach ein bisschen das pitchen. Muss ja nicht im Fahrstuhl sein...

 

 

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