Fast gefastet...


"Ich glaube, ich möchte das mal probieren!", lasse ich die Worte nach dem Lesen eines Zeitungsartikels beim Frühstück mal wieder viel zu schnell aus mir heraussprudeln, an die Luzie gewandt versteht sich. Die Luzie ist meine Frau, und sie heißt nicht wirklich Luzie.

Sondern Julia. Aber da sie mich an die Kleine aus "Luzie, der Schrecken der Straße" erinnert, nenne ich sie eben so.

Der Artikel dreht sich ums Thema Fasten, was ich Luzie auf ihre Frage "Was'n?" dann auch erkläre.

"Ja, das kann ganz gesund sein, mir ist es das letzte Mal prima bekommen. Mach doch."

Luzie ist eigentlich diejenige, die das Ernährungsthema viel ernster nimmt als ich. Außerdem ist sie kräuterkundlich bewandert und hat rote Haare. Man mag sich dabei jetzt denken, was man auch immer möchte...

 

Die Umstellung auf vegane Ernährungs- und zunehmend auch Lebensweise habe ich ihr zu verdanken. Und das meine ich jetzt gar nicht garstig, mir hat das wirklich etwas gebracht. Das Kochen macht mir viel mehr Spaß, seitdem ich nach Jahren vegetarischer Kost nun auch auf Ei-, Milch- und sämtliche andere Produkte verzichte, an denen ein Tier unter Zwang auch nur vorbeigehen musste. Die Kreativität ist in meine Küche zurückgekehrt, und das bereitet mir Freude. Dementsprechend gerne nehme ich mir die Zeit und kümmere mich immer öfter um's Essen.

Doch zurück zum Fasten. Drei oder vier Tage nach meinem spontan geäußertem (und eigentlich gar nicht so schrecklich ernst gemeinten) Entschluss, das Fasten für mich zu entdecken, ist es wiederum die Luzie, die nun Nägel mit Köpfen macht: "Ich hab' doch nächste Woche Urlaub, dann fasten wir zusammen. Saftfasten. Wir können ja erstmal drei Tage machen, Montag bis Mittwoch."

"Ja, hm, ja. Gute Idee, das machen wir!", stimme ich hocherfreut zu.

Mist! Ich dachte, die vergisst das.

 

Das Ganze kommt aber auch wirklich etwas plötzlich.

Nun ist es ja so: Weil wir kein Fertigzeug oder andere industriell hergestellte Nahrung im Hause haben, ist unser Kühlschrank ständig gefüllt mit hochbrisanter Materie. Also Gemüse, in erster Linie, welches, frisch gekauft, gern zügig gegessen werden möchte. Und selbstverständlich hatten wir vor dem Wochenende eingekauft. Noch vor Luzies freundlichem Unterstützungsangebot. Ahnt ja keiner, sowas...

Was also nun, wohin mit der verderblichen Ware? Mag ja sein, ich überlebe die drei Fastentage - das gute Gemüse aber auf keinen Fall.

Klarer Fall, das Zeugs muss verarbeitet werden. Und zwar alles!

 

Gesagt - getan.

Mit Schrecken denke ich jetzt gerade, nach dem ersten Fastentag, an die unsägliche Fresseorgie zurück, die uns durch den unüberlegten Wochenendeinkauf diktiert wurde. Ein riesiger Topf mit "Michas feinster Erbsensuppe" für locker sechs Personen, eine große Pfanne voller "Austernpilze mit Balsamicogemüse an Vollkornreis" und zwei große Portionen "Shepherds Pie", die es in sich hatten, verursachen beim Schreiben dieser Zeilen schon wieder Bauchzwicken und Völlegefühl. Zumindest aber die unangenehme Erinnerung daran.

An Kalorien jedenfalls dürften wir für die nächsten drei Tage reichlich Vorrat haben und der Abwasch unseres gesamten in Anspruch genommenen Arsenals an Töpfen und Pfannen hält uns sicherlich auch noch etwas beschäftigt.

 

Von daher war der erste Fastentag wirklich erholsam und eine Wohltat für den gestressten Magen.

Obwohl ich ja schon wieder Appetit bekomme. So langsam...

 

 

0 Kommentare

"Für mich die Bratkartoffeln...


... aber vegan zubereitet, bitte."

Peinliche Stille tritt ein, hier am Tisch im Restaurant mitten in der City einer norddeutschen Kleinstadt. Hinten, am anderen Ende des Tisches, räuspert sich mein Schwiegervater kurz und trocken. Am Nachbarstisch klappert ein junges Mädchen leise mit dem Besteck. Die Bedienung heißt Tamara, so steht es zumindest auf dem Schildchen, welches sie am Kragen trägt. Der Rock steht ihr gut, aber die weiße Bluse ist nicht mehr ganz sauber und passt auf eine unbestimmbare Art und Weise nicht richtig. Der Herr am Fenster lacht kurz auf, während er die Speisekarte studiert. Komisch, ich hatte da gar nichts witziges drin gefunden.

"Ohne Speck, oder was meinen Sie?" fragt Tamara mit einem nur ganz leicht genervtem Gesichtsausdruck.

"Nee, vegan. Ohne Speck, ohne Ei und Butter, in einer Pfanne zubereitet, in der nicht unmittelbar vorher Teile eines Tiers gebruzzelt wurden. Mit Pflanzenöl. Mit frischem." Schwiegermutter, sie hat die große Salatvariation bestellt - á la carte, also mit den Putenbruststreifen (ich finde das Wort schon eklig) - schaut betreten in die Karte.

"Also, ohne Speck geht, aber ohne Ei und Butter können wir nicht!"

'Können Sie was nicht?' will ich kurz fragen, beschränke mich aber auf ein weniger provokantes "Warum?"

"Weil der Koch die immer mit Ei macht, das geht doch auch gar nicht anders."

Oder deswegen, weil die Bratkartoffeln als eingekauftes "Convenience" Produkt portionsweise in Plastik eingeschweißt im Kühlschrank liegen, lautet mein nächster Gedanke. Stattdessen frage ich, was sie mir denn empfehlen würde, wenn ich etwas Veganes essen möchte.

"Sonst schauen Sie doch nochmal in die Karte, ich kann gleich nochmal rumkommen."

"Nee nee, ich will ja nicht raten, sondern beraten werden", versuche ich die Zufuhr von Nahrung zeitlich in eine für die anderen Anwesenden akzeptable Schiene zu lenken. Schließlich können meine Schwiegereltern nichts für meine Ansprüche, das Essen betreffend. Jürgen sieht sehr hungrig aus und so kurz vor Weihnachten, mit einem teuren Garmin fürs Rennrad auf dem Wunschzettel, will ich seine Laune nicht über Gebühr strapazieren.

"Einen Salat können Sie ja nehmen, wobei ich bei der Soße nicht weiß, was drin ist."

"Okay, dann den Salat. Aber ohne Dressing, nur mit Essig und Öl - separat - bitte."

"Das nehm' ich dann auch, bitte." schließt sich meine Frau an.

 

So endet das oft, hier draußen auf dem platten Land. Natürlich verstehe ich, dass sich das gastronomische Angebot in erster Linie an der Nachfrage orientiert. Kein wirtschaftlich denkender Restaurantchef legt sich Produkte auf Halde, die er innerhalb der Haltbarkeitsfrist nicht verkauft - beziehungsweise verkocht - bekommt.

Muss er aber auch gar nicht. Vegane Kost zeichnet sich schließlich dadurch aus, dass sie aus Dingen zusammengesetzt ist, die ohnehin in jeder besseren Küche zu finden sind. Aus Gemüse, in erster Linie.

 

Ja, sagt nun der vom Lifestyle genervte Skeptiker bezüglich Aasfreier Nahrung, aber Quinoa, Chiasamen und das ganze andere exotische Superfoodzeugs mit unaussprechlichen Namen ist teuer, liegt halt eben doch nicht einfach so im Vorratsschrank und gehört ja nun unbedingt zur veganen Modeküche für intellektuelle Weltverbesserer dazu. Quatsch, sage ich! Gar nicht gehört es das!

Superfoods sind nicht, im Vergleich mit klassischen, heimischen "Foods", so sehr viel mehr super. Und die Klassiker wachsen hier um die Ecke und müssen nicht aus andrer Herren Länder aufwändig importiert werden. Vieles kann man sich im eigenen Garten ziehen. Oder auf dem Balkon, ersatzweise. Das meiste gibt's sogar beim Aldi.

 

Was spricht, liebe Restaurantköche, gegen zwei Scheibchen Kohlrabi, mit eifreier Panade in einer Pfanne mit pflanzlichem Schmalz ausgebacken, dazu eine vegane Bratensoße und - Bratkartoffeln, ohne Ei und Speck? Das ist schnell gemacht, und die Zutaten liegen ohnehin irgendwo rum. Lecker ist's obendrein. Und gar nicht teuer im Einkauf.

 

Ansonsten esse ich eben weiterhin lieber zu Hause und lade mir meine Leute hierhin ein. Für labbrigen Salat oder banale Pommes ohne Alles ist mir das Schuhe zubinden zu viel Aufwand. Und meine Gäste können das gesparte Geld dann ja in teure Weihnachtsgeschenke investieren.

Das ist mir eigentlich sogar lieber.

 

Also Kommando zurück, liebe Köche. Macht weiter wie bisher.

Alles ist gut.

 

 

 

 

 

 

0 Kommentare

No!Spec


"Sehr geehrter Herr Pils,

gerne möchte ich Sie mit dem Lektorat meines Manuskripts [...] beauftragen.

[...]

Vorher möchte ich mir natürlich einen Eindruck von Ihrer Arbeit machen und überlasse Ihnen daher eine Leseprobe für das Exposé, die Sie mir bitte bis spätestens [...] vollständig lektoriert und frei von Rechten zurücksenden. Bei Gefallen beziehe ich Sie gerne in die engere Wahl für das Lektorat des vollständigen Werkes mit ein.

 

Mit freundlichen Grüßen"

[irgendein Autor]

 

"Sehr geehrte Damen und Herren,

 

ich schreibe derzeit an einer wissenschaftlichen Abhandlung zum Thema [...] und benötige tatkräftige Unterstützung in den Bereichen [...].

Bevor ich Sie verbindlich beauftrage, möchte ich mich vergewissern, dass wir sprachlich auf einer Welle schwimmen. Daher erlaube ich mir, einen thematisch an die Ausarbeitung angelehnten Fachartikel - welcher in der [Monat]ausgabe der [...] erscheinen soll - bei Ihnen anzufordern. Diesen würde ich als Arbeitsprobe ansehen und Sie bitten, mir diese Probe rechtefrei zur Verfügung zu stellen.

 

Wenn die Arbeitsprobe meinen Vorstellungen entspricht, bin ich bereit Verhandlungen bezüglich der Verfassung der kompletten Abhandlung mit Ihnen aufzunehmen.

 

Mit freundlichen Grüßen"

[irgendein wissenschaftlicher Mitarbeiter irgendeiner Universität]

 

So etwas nennt man spec working (bzw. die Frage nach demselben), ein Trend der zunehmend von jenseits des Atlantiks zu uns herüberschwappt. Spec work - "spec" ist hierbei kurz für "speculative" - ist im Wortsinne spekulative Arbeit. Also eine Arbeit mit der Spekulation darauf, dass selbige möglicherweise zu weiterer Arbeit führt.

Unbezahlt, versteht sich. Als Arbeitsprobe eben.

Grundsätzlich ist der Gedanke ja nicht dumm. Schon der Vater des Klempnermeisters Röhrich - berühmt durch die "Werner" Comics und Animationsfilme des Künstlers "Brösel" Rötger Feldmann - wusste: "Arbeit zieht Arbeit nach sich!". Wie viele der Weisheiten des alten Röhrich ist auch diese nicht einfach so von der Hand zu weisen. "Satisfied customers are returning customers" - zufriedene Kunden kommen wieder. Das kann ich voll bestätigen. Wie aber soll ein (potentieller) Kunde vorab wissen, ob er mit meiner Arbeit zufrieden sein wird? Sprachgefühl, Sprachgewandheit, Wortschatz, Empathie - das sind alles Dinge, die man nicht in einer technischen Beschreibung darstellen kann. Und wirklich viel, aus dem der werden wollende Kunde Rückschlüsse auf den von mir bevorzugten Schreibstil ziehen kann, gibt es hier auf der Schreibegeist-Seite auch nicht zu finden - ich komme ja kaum dazu mal wieder etwas Text in eigener Sache zu Papier zu bringen.

 

Da ist eine Arbeitsprobe eine feine Sache. Das finde ich auch. Und deswegen lasse ich da auch mit mir drüber reden.

Aber bitte, wenn schon kostenfrei, doch nicht gleich einen vollständigen Artikel, eine Leseprobe oder eine sonstwie abgeschlossene Arbeit, die einen vollen Arbeitstag in Anspruch nimmt - und dann auch noch frei von Urheberrechten und zur freien Verwertung durch den - sich möglicherweise nie wieder meldenden - "Kunden"!

 

Nee, das geht nicht.

Ich habe mir kürzlich den Scherz erlaubt, in gleicher Art und Weise bei verschiedenen Handwerksbetrieben anzufragen. Die freundlichste, wenn auch trotzdem ablehnende Antwort bekam ich von einer Autowerkstatt, die ich gebeten hatte mir kostenfrei das Öl zu wechseln bevor ich darüber entscheiden würde, eine große Inspektion in Auftrag zu geben. Anscheinend ist die Konkurrenzsituation in der Branche ausreichend groß, um sich mit einem Rest von Höflichkeit selbst solcher Fragen anzunehmen.

Die direkteste Antwort kam vom Fliesenleger und lautete schlicht und ergreifend: "Du spinnst wohl?", die kürzeste vom Gärtner, der sich auf ein verwundertes "Wat?" den Sachverhalt der kostenlos zu stutzenden Hecke nochmals erklären ließ bevor er das Telefonat kommentarlos beendete.

 

Soll ich Ihnen was sagen? Ich empfand die durchweg ablehnende Haltung der von mir angefragten Handwerker als absolut berechtigt und würde mir wünschen, wir Kreative hätten auch ein entsprechendes Selbstwertgefühl und das Bewusstsein um den Wert unserer Arbeit, und würden uns - und damit auch andere in der Branche tätige - nicht dadurch abwerten, spec working Aufträge anzunehmen.

 

Daher mein Aufruf an alle freiberuflich kreativ Tätigen: Tut das nicht!

Wertet eure und meine Arbeit nicht dadurch ab, dass ihr sie billigst an den Mann zu bringen versucht. Und wenn ihr einen Auftrag nicht bekommt, weil ihr eine breite Brust zu zeigen wagt - dann kommt der nächste ganz bestimmt. Wenn ihr euch Sorgen um eure Rente macht, dann hättet ihr eben etwas Vernünftiges lernen, oder gleich eine Beamtenlaufbahn einschlagen sollen. Da ist alles schön geregelt und sicher.

 

Und ein Aufruf an alle Interessenten und mögliche Kunden: Tut das nicht!

Unbezahlte Arbeit übt nicht etwa, nein - sie frustriert und macht mürbe. Durch die Forderung nach spec working und der anschließenden Vergabe von Aufträgen an den, der nicht nur kostenlos geliefert hat, sondern danach auch noch billigst arbeitet, wird ein ungesunder Druck auf die gesamte Branche ausgeübt - welcher langfristig der Qualität der von Ihnen als Kunde geforderten Arbeit nicht dienlich ist. Und unbezahlte Arbeit dann auch noch zum eigenen Vorteil zu verwerten ist nun wirklich alles andere als schicklich.

 

So! Halleluja!

Das musste einfach mal gesagt werden.

0 Kommentare

"Räum dein Zimmer auf!!"


Oh, wie habe ich es gehasst!

Wie!  Habe!  Ich!  Es!  Gehasst!

Regelmäßig einmal in der Woche der entsetzte Blick meiner Mutter auf das Chaos aus hingeworfenen Klamotten, leeren Flaschen und Süßkramverpackungen, Schulsachen, Modellautos und jeder Menge nicht näher zu definierendem Müll, gefolgt von den mir verächtlich an den Kopf geschleuderten, verhassten Worten: "Räum dein Zimmer auf, das sieht hier aus wie im Schweinestall!"

 

Aufräumen. Völlig unnötig. Nicht etwa, weil der Vergleich mit dem Schweinestall nicht angemessen gewesen wäre. Nein, deswegen unnötig, weil das Zimmer nach einer solchen anstrengenden, zeit- und kräftezehrenden Aktion wenige Stunden später ohnehin wieder genauso aussah wie vor der Entrümpelung. Wozu also der Aufwand?

Heute glaube ich ja, dass sich damals mein Talent für alles Kreative entwickelt hat. Die Methoden und Strategien, die ich derzeit zu dem Zwecke ausarbeitete mich vor der Aufräumerei zu drücken, sind mittlerweile legendär und tragen bei Familientreffen immer noch maßgeblich zur allgemeinen Erheiterung bei. Als Paradestück gilt dabei meine Flucht in eine Fieberattacke, die mich durch einen Anstieg der Körpertemperatur auf abenteuerliche 40 Grad Celsius außerstande setzte meiner einzigen Aufgabe im Haushalt nachzukommen.

Dass ich das Fieber, unter Zuhilfenahme einiger von einem soliden Stück abgeschabten und geschluckten Spänen Kernseife, selbst verursacht hatte liest meine Mutter hier und heute zum ersten Mal. Entschuldige bitte, Mama.

 

Den Trick - wenn man diese Eselei mal so nennen will - hatte ich aus einem Buch, im Übrigen. "Papillon" von Henri Charrière, glaube ich.

Jaja, lang ist's her...

 

Aber wie komme ich da jetzt überhaupt drauf?

Ach so: Aufräumen!

Ja, habe ich gemacht, hier auf der Website. Einige Punkte aus meinem Programm sind verschwunden, anderes ist dazu gekommen. Mein Angebot ist damit weniger breit gefächert, im Kerngeschäft aber definierter geworden.

Verschwunden ist der komplette Bereich der Korrespondenz. Dort hatte ich mich zu breit aufgestellt. Liebesbriefe, Behördenschreiben, Bewerbungen - was wollte ich nicht alles bieten um Interessenten unangenehme Dinge abnehmen oder zumindest etwas erleichtern zu können. Die angestrebte Zielgruppe jedoch habe ich mit diesem Angebot nicht erreicht. Das Verfassen von Bewerbungsanschreiben beispielsweise war ursprünglich an die gerichtet, deren Bewerbungen grundsätzlich in der "Akte P" landen, sobald der Blick des Entscheiders auf Zeugnisse oder andere formelle Qualifikationsnachweise fällt. In der Regel also sofort. Ein originelles, schon optisch leicht aus dem üblichen Rahmen fallendes Anschreiben kann dann dazu führen, dass einem Bewerber etwas mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird, als dies bei einem Standardschreiben der Fall wäre.

 

Innerhalb eines Jahres entstammten lediglich drei Interessenten dieser Zielgruppe. Der weitaus größere Teil der Anfragen erreichte mich aus dem Kreis derer, die schlichtweg nicht motiviert waren, ein Bewerbungsanschreiben wenigstens in Angriff zu nehmen - oder sogar ganz bewusst darauf aus waren, sich völlig anders darzustellen als es den Tatsachen entspricht.

Weg damit, also. Biete ich nicht mehr an. Fertig.

 

Ebenfalls weg ist, nach langen Diskussionen mit Google, jeder auch noch so kleinste Anlass für Besucher meiner Seiten, dahingehend auch nur denken zu können, ich würde das Verfassen akademischer Arbeiten - Bachelor-, Master-, Diplom- oder Doktorarbeiten - in irgendeiner Form anbieten wollen. Das war gar nicht so einfach, denn offensichtlich unterstellt Google den Benutzern der Suchmaschine ein gehöriges Maß an minderbemittelter Auffassungsgabe, wenn es darum geht, Texte auf einer Internetseite zu lesen. Die Fälle, in denen ich diese Unterstellung stützen kann, sind tatsächlich sehr dünn gesiedelt.

Interessant hierbei ist, dass Google sich bei diesen Diskussionen auf seine Leitlinie gegen die "Ermöglichung unlauteren Verhaltens" berufen hat, anhand derer vermieden werden soll, dass Werbetreibende dafür Werbung schalten, es jemandem zu ermöglichen sich ungerechtfertigte Vorteile verschaffen zu können. Google! Ein Unternehmen, dass nie auch nur auf die Idee käme, sich ungerechtfertigte Vorteile zu verschaffen und nur deswegen in Irland sitzt, weil es dort so schön grün ist.

Ein zwinkernder Smiley wäre hier angebracht...

 

Hinzugekommen - um auf ein angenehmeres Thema zu schwenken - ist mein Angebot zur Blogbetreuung.

Das Thema ist so neu, dass meine Rechtschreibprüfung das Wort nicht kennt. Aber trotzdem wichtig, zumindest für diejenigen, die ein Interesse an einem Blog haben, welches eine möglichst große Menge an Menschen erreicht. Mehr dazu gibt es in der entsprechenden Rubrik zu lesen.

 

Hinzukommen wird in Kürze ein Bereich, den ich jetzt gerade noch als "soziales Engagement" betitele. Dort werde ich einiges zusammenstellen, was ich dann für wenig bis gar kein Geld gedenke anzubieten. Und zwar sozialen Einrichtungen, gemeinnützigen Vereinen und Körperschaften in den sozialen Arbeiten und sozial benachteiligten Einzelpersonen in finanziell dauerhaft prekärer Lage. 

 

Und so bleibt mir zum Schluss die Einsicht, dass hin und wieder mal etwas Krempel beiseite räumen und frisch durchwischen gar nicht so schlimm ist, und im Endeffekt mehr nutzt als schadet.

 

Danke Mama!

0 Kommentare

Waste of time and money...

"Wenn ich ein Manuskript an einen Verlag sende, dann wird das doch dort eh komplett lektoriert," triumphiert die neue Partybekanntschaft zwischen zwei Schlucken Bier, als das Gespräch auf die Berufe der am Tisch anwesenden kommt, "da ist ein freier Lektor, den man ja selbst bezahlt, doch ein totaler waste of time and money!!" Mit zwei Ausrufezeichen nach dem schrecklichen (und grammatikalisch falschem) Anglizismus.

"Stimmt," entgegne ich, "wenn du auf wundervolle Weise einen Verlag findest, der dein Manuskript direkt mit Kusshand annimmt und nicht sofort der Akte "P" zuweist."

Zustimmendes, wissendes Nicken auf allen Plätzen signalisiert mir, dass ich von nun an akzeptiertes Mitglied der Partygesellschaft bin.

 

Wie bitte? Verlage versenken eingesandte Manuskripte einfach so im Müll?

 

Das ist vielleicht etwas harsch ausgedrückt. Aber eigentlich: Ja. Warum auch nicht? Werbepost in meinem Briefkasten geht ja auch den Weg ins Altpapier. Ein nicht angefragtes Manuskript ist für einen Verlag erstmal nichts anderes, in der Regel wird auf diesen Umstand auch unmißverständlich hingewiesen.

Deswegen verschickt man als Autor auf Verlagssuche auch keine Manuskripte, sondern erstellt erst einmal ein Exposé. So wünscht es der Verlag.

 

Und da sind wir dann schon an einem Punkt angelangt, wo hin und wieder etwas Hilfe von Außen angesagt ist. Das Exposé ist sozusagen eine Bewerbung, und die unterliegt immer gewissen Regularien. Das ist im Berufsleben nicht anders (weil "Autor" schließlich irgendwie auch ein Beruf ist, oder eher eine Berufung), jeder kennt die Mühsal, die mit der Findung eines Arbeitsplatzes einhergeht. Heutzutage. Das war mal anders, aber das ist nicht das Thema dieses Beitrags.

 

Viele Autoren tun sich recht schwer bei der Verfassung eines solchen Exposés, von daher lohnt es sich hier kurz darauf einzugehen, was es damit auf sich hat. Ein literarisches Exposé ist lt. Wikipedia eine "vorausschauende Inhaltsangabe" und soll "die Grundidee und den groben Handlungsverlauf vorstellen" (Wikipedia Artikel). Je nach Art des Werkes ist die Inhaltsangabe selber aber nur ein Teil des Exposé. Eine Kurzvorstellung des Autors und seines Hintergrundes ist genauso ein Bestandteil, wie eine Angabe zur Motivation zu dem spezifischen Werk und eines Hinweises auf die angestrebte Zielgruppe (enorm wichtig für den Verlag). Alles in allem will das Exposé also den Eingangslektor eines Verlages (oder den Verlagsleiter, den Marketingchef oder wer sonst noch mit der Gewinnung neuer Autoren betraut ist) neugierig, heiß auf das Werk machen, ohne Zeit und Geduld desselben zu sehr in Anspruch zu nehmen. Von daher gehört ein knackiger Pitch ebenfalls ins Exposé. Einer, der Lust auf mehr macht. Und so etwas möchte dann gekonnt sein. 

 

Anleitungen zu Inhalt und Gestaltung eines guten Exposés gibt es kostenlos im Internet. Und weil ich das gut finde, möchte ich ausdrücklich darauf hinweisen. Annika Bühnemann (mir nicht persönlich bekannt) zum Beispiel bietet in ihrem Blog "Vom Schreiben leben" wertvolle Hinweise und sogar ein herunterladbares Muster zum Schreiben eines professionellen Exposés. Absolut lesenswert für jeden Schriftsteller, dem bewusst wird, dass Marketing nicht nur etwas für aufstrebende Profilneurotiker ist.

 

Wer damit nicht zurecht kommt, die Zeit nicht findet oder sich einfach auf jemanden verlassen will, der Erfahrungen in diesem Bereich hat - der kann dann immer noch mich ansprechen (oder auch andere Kollegen). So schrecklich teuer ist das Verfassen eines Exposés nicht und bei einer mittels eines solchen erreichten Annahme des Manuskripts seitens eines Verlages, amortisiert sich die Investition in Windeseile.

 

Bereits zu diesem Zeitpunkt kann also der freie Lektor schon als sinnvolle Einrichtung durchgehen. Spätestens aber wenn der erfolgswillige Autor ein weitgehend fehlerfreies Manuskript vorweisen möchte - sei es aus reiner Selbstachtung heraus, um beim Verlagslektor einen vernünftigen Eindruck zu hinterlassen oder möglicherweise aus dem Grund, dass er als self-publisher gar keinen Verlagslektor an die Hand bekommt - ist der "Freie" eine wertvolle Hilfe. Wer möchte als erste Kritik zu seinem Werk schon hören: "Rechtschreibung ist jetzt aber nicht so deine Stärke, nä?" Oder: "Gab es Kommas (ich sage ja immer noch lieber "Kommata") im Dutzend günstiger?"

 

Banausen, die so etwas sagen. Beamtenseelen, Erbsenzähler. Keine Ahnung haben solche Leute davon, was es heißt 300 Seiten lang Wort um Wort in sinnvolle Sätze zu packen und nach spätestens 100 Seiten den Überblick über dämliche Rechtschreibregeln komplett zu verlieren. Als Autor steht man über solch kleinkarierten Dingen.

Genau!

Dafür gibt es dann ja mich: Ihren freien Lektor.

 

Hallo, übrigens!

0 Kommentare