Waste of time and money...

"Wenn ich ein Manuskript an einen Verlag sende, dann wird das doch dort eh komplett lektoriert," triumphiert die neue Partybekanntschaft zwischen zwei Schlucken Bier, als das Gespräch auf die Berufe der am Tisch anwesenden kommt, "da ist ein freier Lektor, den man ja selbst bezahlt, doch ein totaler waste of time and money!!" Mit zwei Ausrufezeichen nach dem schrecklichen (und grammatikalisch falschem) Anglizismus.

"Stimmt," entgegne ich, "wenn du auf wundervolle Weise einen Verlag findest, der dein Manuskript direkt mit Kusshand annimmt und nicht sofort der Akte "P" zuweist."

Zustimmendes, wissendes Nicken auf allen Plätzen signalisiert mir, dass ich von nun an akzeptiertes Mitglied der Partygesellschaft bin.

 

Wie bitte? Verlage versenken eingesandte Manuskripte einfach so im Müll?

 

Das ist vielleicht etwas harsch ausgedrückt. Aber eigentlich: Ja. Warum auch nicht? Werbepost in meinem Briefkasten geht ja auch den Weg ins Altpapier. Ein nicht angefragtes Manuskript ist für einen Verlag erstmal nichts anderes, in der Regel wird auf diesen Umstand auch unmißverständlich hingewiesen.

Deswegen verschickt man als Autor auf Verlagssuche auch keine Manuskripte, sondern erstellt erst einmal ein Exposé. So wünscht es der Verlag.

 

Und da sind wir dann schon an einem Punkt angelangt, wo hin und wieder etwas Hilfe von Außen angesagt ist. Das Exposé ist sozusagen eine Bewerbung, und die unterliegt immer gewissen Regularien. Das ist im Berufsleben nicht anders (weil "Autor" schließlich irgendwie auch ein Beruf ist, oder eher eine Berufung), jeder kennt die Mühsal, die mit der Findung eines Arbeitsplatzes einhergeht. Heutzutage. Das war mal anders, aber das ist nicht das Thema dieses Beitrags.

 

Viele Autoren tun sich recht schwer bei der Verfassung eines solchen Exposés, von daher lohnt es sich hier kurz darauf einzugehen, was es damit auf sich hat. Ein literarisches Exposé ist lt. Wikipedia eine "vorausschauende Inhaltsangabe" und soll "die Grundidee und den groben Handlungsverlauf vorstellen" (Wikipedia Artikel). Je nach Art des Werkes ist die Inhaltsangabe selber aber nur ein Teil des Exposé. Eine Kurzvorstellung des Autors und seines Hintergrundes ist genauso ein Bestandteil, wie eine Angabe zur Motivation zu dem spezifischen Werk und eines Hinweises auf die angestrebte Zielgruppe (enorm wichtig für den Verlag). Alles in allem will das Exposé also den Eingangslektor eines Verlages (oder den Verlagsleiter, den Marketingchef oder wer sonst noch mit der Gewinnung neuer Autoren betraut ist) neugierig, heiß auf das Werk machen, ohne Zeit und Geduld desselben zu sehr in Anspruch zu nehmen. Von daher gehört ein knackiger Pitch ebenfalls ins Exposé. Einer, der Lust auf mehr macht. Und so etwas möchte dann gekonnt sein. 

 

Anleitungen zu Inhalt und Gestaltung eines guten Exposés gibt es kostenlos im Internet. Und weil ich das gut finde, möchte ich ausdrücklich darauf hinweisen. Annika Bühnemann (mir nicht persönlich bekannt) zum Beispiel bietet in ihrem Blog "Vom Schreiben leben" wertvolle Hinweise und sogar ein herunterladbares Muster zum Schreiben eines professionellen Exposés. Absolut lesenswert für jeden Schriftsteller, dem bewusst wird, dass Marketing nicht nur etwas für aufstrebende Profilneurotiker ist.

 

Wer damit nicht zurecht kommt, die Zeit nicht findet oder sich einfach auf jemanden verlassen will, der Erfahrungen in diesem Bereich hat - der kann dann immer noch mich ansprechen (oder auch andere Kollegen). So schrecklich teuer ist das Verfassen eines Exposés nicht und bei einer mittels eines solchen erreichten Annahme des Manuskripts seitens eines Verlages, amortisiert sich die Investition in Windeseile.

 

Bereits zu diesem Zeitpunkt kann also der freie Lektor schon als sinnvolle Einrichtung durchgehen. Spätestens aber wenn der erfolgswillige Autor ein weitgehend fehlerfreies Manuskript vorweisen möchte - sei es aus reiner Selbstachtung heraus, um beim Verlagslektor einen vernünftigen Eindruck zu hinterlassen oder möglicherweise aus dem Grund, dass er als self-publisher gar keinen Verlagslektor an die Hand bekommt - ist der "Freie" eine wertvolle Hilfe. Wer möchte als erste Kritik zu seinem Werk schon hören: "Rechtschreibung ist jetzt aber nicht so deine Stärke, nä?" Oder: "Gab es Kommas (ich sage ja immer noch lieber "Kommata") im Dutzend günstiger?"

 

Banausen, die so etwas sagen. Beamtenseelen, Erbsenzähler. Keine Ahnung haben solche Leute davon, was es heißt 300 Seiten lang Wort um Wort in sinnvolle Sätze zu packen und nach spätestens 100 Seiten den Überblick über dämliche Rechtschreibregeln komplett zu verlieren. Als Autor steht man über solch kleinkarierten Dingen.

Genau!

Dafür gibt es dann ja mich: Ihren freien Lektor.

 

Hallo, übrigens!

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Eine Agentenstory...

Huh, spannend - eine Agentenstory. James Bond, Geheimdienste, NSA, der Kalte Krieg.

 

Nein, sorry.

Hier will ich einfach nur auf den Unterschied zwischen Schreiberlingen wie - zum Beispiel - meiner selbst und Ghostwriting-Agenturen eingehen. Das ist mit Sicherheit nicht ganz so fetzig wie eine haarsträubende Geheimagenten Geschichte, kann aber für denjenigen, der etwas geschrieben haben möchte, trotzdem ziemlich interessant sein.

 

Auf geht's:

 

Was macht eine Ghostwriting Agentur eigentlich?

 

Hier ist dann schon der erste, große Unterschied zwischen dem klassischen Auftragsschreiber und einem Agenturdienst ganz offen ersichtlich - in einer Agentur wird nichts geschrieben. Außer Rechnungen.

Die Agentur nimmt einen Schreibauftrag entgegen und sucht, entweder aus dem eigenen Bestand heraus oder auf dem "freien Markt" nach einem Autor, der mit der jeweiligen Thematik vertraut ist. Das ergibt durchaus einen Sinn, auf jeden Fall dann, wenn es um sehr spezielle Themen geht. Eine Abhandlung über die neuesten Erkenntnisse auf dem Gebiet der String Theorie ist nicht jedermanns Sache; ich zumindest müsste bei einer entsprechenden Anfrage aussagekräftig mit den Schultern zucken, weil mir der Begriff "String Theorie" lediglich aus einer beliebten TV - Comedy geläufig ist.

Ganz klarer Punkt für die Agentur, keine Frage.

Selbstverständlich kostet eine solche Sache dann etwas mehr, schließlich will sowohl der entsprechende Autor, als auch die Agentur verdienen. Das ist aber völlig in Ordnung, hier bestimmt die Nachfrage den Preis - und das ist nur gerecht.

 

In der Regel wird der Auftrag in seiner Gänze ausschließlich über die Agentur abgewickelt. Zwischen Auftraggeber - in dessen Namen geschrieben wird - und eigentlichem Autor gibt es keinen Kontakt. Es herrscht Anonymität, was in der Branche erstmal absolut wünschenswert ist.

Aber (jetzt kommt dann doch ein Haken, man beachte den Spannungsbogen)!

Aber wenn der Auftraggeber Änderungswünsche zu einem Entwurf kommunizieren will, dann ist er auf Gedeih und Verderb dem jeweiligen Agenten ausgeliefert, darauf , dass dieser seine Wünsche versteht und sie dem Ghostwriter vermitteln kann.

Ob das dann immer so reibungslos funktioniert, oder ob das Prinzip der "Stillen Post" den einen oder anderen Stolperstein bereit hält, mag ich nicht beurteilen. Und zwar einfach aus Mangel an eigener Erfahrung.

Solche Dinge werden im Internet in diversen Hilfeforen von denjenigen, die über die nötige persönliche Erfahrung verfügen, ausgiebig diskutiert. Wobei hier zu beachten ist - für den Fall dass der geneigte Leser sich nunmehr auf eine Google Suche nach Erfahrungsberichten macht - dass in der Regel diejenigen sich zu Worte melden, die schlechte Erfahrungen gemacht haben.

Die zufriedene Masse hält still. Warum auch nicht? Anonymität ist schließlich erwünscht...

 

Und was macht der nicht-agenturgebundene Schreiber?

 

Zuhören.

Verstehen.

Und schreiben.

Meine - und ich kann hier nur für mich sprechen - Kunden kennen mich. Vor der Annahme eines Auftrags und während der Umsetzung desselben wird bei mir/mit mir ausgiebig kommuniziert, per Email und Telefon oder Skype/Facetime, aber auch gerne von Angesicht zu Angesicht. In persönlichen Gesprächen (der Plural ist gewollt) höre ich mich ausgiebig in die Wünsche und Vorstellungen meines Klienten hinein, bringe Einwände, da wo ich welche erkenne und vermittle meine Ideen zum Thema. Direkt. Ohne Umwege.

Punkt für mich.

 

Allerdings, und das muss dann auch ganz klar gesagt werden, bin ich kein Universalgelehrter. Je spezieller ein Thema ist, desto mehr bin ich auf die fachlichen Kenntnisse meines Klienten angewiesen. Womit wir wieder bei der String Theorie angelangt sind (ich muss mich einmal ausgiebig mit dem Thema beschäftigen, glaube ich), und meiner Prognose hier nicht wirklich wertvolle Arbeit verrichten zu können.

 

Fazit

 

Ghostwriting Agenturen sind eine sinnvolle Einrichtung. Je spezieller das Thema ist, je mehr es auf Fachkenntnisse in einem klar definierten Bereich ankommt, desto wahrscheinlicher ist es über eine renommierte Agentur einen kompetenten Ghostwriter zu finden.

 

Je mehr von Ihrer Persönlichkeit in Ihr Werk einfließen soll, je wichtiger es Ihnen ist Ihre eigenen Gedanken zu einer Sache in eine gut verständliche Sprache umgesetzt zu bekommen, oder Ihre fachlichen Kenntnisse an ein breites Publikum zu vermitteln - desto mehr Sinn ergibt es, sich auf die Suche nach jemandem zu machen, der Ihre Angelegenheit in persönlichem Kontakt mit Ihnen bearbeitet.

 

Im Übrigen, das möchte ich zum Schluss noch in den Raum werfen, beträgt der reine Anteil an fachlicher Information in der zwischenmenschlichen Kommunikation lediglich nicht mehr als ein Viertel der gesamten Aussage. Der Rest setzt sich aus dem Drumherum zusammen: sprachliche Kompetenz, Form und Stil - zumindest dann, wenn man Watzlawicks 3. Axiom der Kommunikatonstheorie auf schriftliche Kommunikation umsetzt.

 

Tja, so ist das...

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"Ghostwriting? Nein danke..."

...sagen Sie sich vielleicht, wenn Sie auf dieser Seite unterwegs sind.

 

Aber irgendetwas ist da ja; etwas in Ihnen veranlasst Sie dazu, sich auf die Suche nach "irgendwie sowas, was meinen Drang mich mitzuteilen fördert" zu machen.

Aber Ghostwriting? Nee.

Sie wollen schon selber etwas schreiben. Doch auf mysteriöse Weise ist immer dann, wenn Sie sich an den Schreibtisch setzen, nach kurzer Zeit der Kopf schon leer. Oder Ihre tolle Idee erscheint Ihnen beim darüber nachdenken plötzlich gar nicht mehr so toll.

Oder Sie finden einfach keine Worte um auszudrücken, was Sie bewegt. Oder, oder, oder... (Glauben Sie mir ruhig, ich kenne alle 10.000 Gründe, die es da gibt, aus eigener leidvoller Erfahrung)

 

Aber da gibt es ja noch das Schreibcoaching, so was bietet der Schreibegeist ja an. Ist auch gar nicht so furchtbar teuer.

 

"Ja, lieber Kunde", sagt der besagte Geist Ihnen am Telefon (... per Webchat, per eMail...), nachdem Sie sich ein Herz gefasst haben und einfach mal in Kontakt getreten sind. Fragen kostet schließlich erstmal nix. "Ja, lieber Kunde", sagt er also, "Im Grunde ist das eine gute Idee, allerdings ist ein Coaching - das liegt schon in der Begriffsdefinition begründet - mehr auf die Erreichung eines spezifizierten Zieles ausgerichtet. Wenn Sie also ein bestimmtes Projekt vor Augen haben, dann kann ich sie per Coaching in eine gute Richtung bringen (Ich rede übrigens wirklich so, kein Scherz. In meiner Jugend war das extrem störend beim Pflegen sozialer Kontakte. Jetzt im Alter wirkt es gebildet. Da sag noch mal einer, früher sei alles besser gewesen...)." 

 

Ein bestimmtes Projekt haben Sie aber gar nicht vor Augen. Sie möchten überhaupt erstmal ins Schreiben kommen, ohne bestimmten Zweck.

Also umsonst die Webseite besucht und nachgefragt. Schade...

 

Doch das hat nun ein Ende. 

In meinem unermüdlichen Bestreben dahin wirklich jedem Interessenten etwas bieten zu können und absolut jedem Hilfesuchendem eine Hand zu reichen, habe ich mich auf die von mir selbst immer wieder gern - und erfolgreich - angewendeten Techniken des creative writings besonnen und ein Präsenzseminar entwickelt, in dem es, unter anderem, um die Anwendung verschiedener Methoden zur Ideenfindung und -entwicklung geht.

So etwas gibt es natürlich auch an der Volkshochschule...

In dem von mir konzipierten Seminar allerdings gehen wir einen Schritt weiter und binden Elemente aus der Schreibschule und der Schreibwerkstatt mit ein.  

Storytelling, Wortfindung, sensorisches Schreiben: Alles auf den Zweck ausgerichtet, ganz allgemein mit dem Schreiben anzufangen - und die eigene Schreibe zu entwickeln und voran zu treiben.

 

Ich wäre dann bereit, wenn Sie es sind...

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Wie geht'n das?

"Wie geht'n das eigentlich, wenn ich ein Buch schreiben lassen will? Also, geb' ich Ihnen dann einfach so 'nen Auftrag, zum Beispiel einen Krimi, und Sie fangen dann einfach irgendwas an zu schreiben?"

 

Ja, nee... So einfach ist das dann ja nicht.

Um zu verdeutlichen, dass Leute wie ich Ihren Lebensunterhalt nicht aus dem Zylinder ziehen, bereite ich meine Antwort auf die Frage des jungen Mannes am Telefon - dessen Erlaubnis zur Veröffentlichung ich mir übrigens extra eingeholt habe - einmal für andere Interessenten hier auf.

 

Wie entsteht denn nun eigentlich so ein Buch?

 

Auf keinen Fall auf Zuruf aus dem Stegreif heraus. Könnte ich sowas, würde ich einen Bestseller nach dem anderen zwischen Frühstück und Gang auf's Klo produzieren und mich ab Mittags lediglich um die Champagner-Vorräte im Kühlschrank meiner Yacht kümmern. Ein Buch zu konzipieren, es zu schreiben und dann auch noch zu veröffentlichen ist harte Arbeit, sehr zeitaufwendig und lässt kaum Platz für andere Vergnügungen. Das ist ja der Hauptgrund, warum immer wieder Interessenten unter anderem hier auf diese Seite schauen. Den wenigsten fehlt es an Ideen, den meisten aber an Zeit und Handwerkszeug.

 

Am Anfang war das Wort!

 

...Oder besser gesagt: Die Idee. 

Das muss jetzt gar kein genialer Gedanke sein, keine Eingebung oder schon eine komplett ausgebaute Fantasie. Oft entwickelt sich eine Idee zum Beispiel aus dem kreativen Schreiben heraus. Joanne K. Rowling hat die Welt um Harry Potter herum aus einer simplen "was wäre wenn" Übung heraus entwickelt: "Was wäre wenn ich zaubern könnte".

Aus dieser Idee heraus beginnt dann die Entwicklung einer Handlung, Charaktere werden erschaffen, ein Handlungsumfeld entsteht. Jetzt ist es bereits Zeit für umfassende Recherche. Was sind die typischen Eigenschaften der von mir erdachten Handelnden, wie sehen sie aus? Was macht die Zeit aus, in der meine Handlung stattfindet? Wie sah die Welt damals aus, oder wie sieht sie jetzt dort aus, wo meine Personen leben? Welche Sprache spricht man dort, welche Technik, welche Alltagsgegenstände sind in Gebrauch und wie werden sie benutzt?

Wer vorhat zu veröffentlichen, der kümmert sich jetzt bereits - das Buch ist noch lange nicht geschrieben - um einen Verlag. Aus den Ideen zur Handlung und der Beschreibung der Charaktere entsteht ein Plot, also das dramaturgische Gerüst der Geschichte. Wer mit wem und worum es geht, grob gesagt... Anhand des Plots entsteht ein Exposé, quasi eine vorausschauende Kurzbeschreibung des Buches. Mit diesem und einer Leseprobe oder einem Probekapitel geht es auf Verlagssuche. Wenn diese erfolgreich ist, dann wird das Buch geschrieben.

 

Und wann kommt ein Ghostwriter ins Spiel?

 

Sobald die Sache beginnt Ihnen über den Kopf zu wachsen. Wenn sich abzeichnet, dass es Ihre Kräfte übersteigt von nun an monatelang sämtliche Freizeit mit konzentriertem Schreiben zu verbringen; wenn Sie feststellen, dass Sie besser Ideen entwickeln können, als diese lesbar zu Papier zu bringen - genau dann.

Sinnvoller Weise sollten Sie zu diesem Zeitpunkt die Wirtschaftlichkeit Ihres Vorhabens noch nicht gänzlich aus den Augen verloren haben. Aber das versteht sich von selber, und das konnte ich dem eingangs erwähnten Herrn am Telefon, dem dieser Beitrag zu verdanken ist, dann glücklicherweise auch ganz schnell klar machen.

 

 

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Grauzone... Wieso eigentlich?

Nicht jeder ist ein Steven Hawking.

 

Ich mag den Mann. Nicht nur weil er mit Sicherheit einer der brilliantesten Köpfe unserer Zeit ist, sondern weil er es versteht seine Gedanken Menschen nahezubringen deren geistiges Niveau weit unter seinem eigenen angesiedelt ist. Was gefühlt auf 99,99⎺ % der Weltbevölkerung zutrifft.

 

Wer so etwas kann, der benötigt keinen Ghostwriter, denn Hawking ist nicht nur brilliant, sondern auch lernfähig. Fiel es in "Eine kurze Geschichte der Zeit" noch schwer bis zum Schluss ohne das ernüchternde Gefühl völliger geistiger Unzulänglichkeit aufmerksam zu lesen, war "Das Universum in der Nussschale" schon wesentlich näher am Leser, flüssiger geschrieben und insgesamt kurzweiliger.

 

Nichtsdestotrotz griff Hawking in seinem nächsten großen Erfolg auf Leonard Mlodinow als "Co-Autor" zurück. Selber Physiker - aber eben auch Drehbuchautor - fiel es diesem nicht allzu schwer, sich in Hawkings "M-Theory" hineinzuversetzen. Laut einem in der Zeit online veröffentlichtem Artikel setzte Mlodinow in mehreren Versuchen zu den ersten dreißig Seiten des Buches an, bis Hawking sich mit diesem Intro einverstanden erklärte, und schrieb den Rest - immerhin verbleibende 162 Seiten - flüssig herunter.

 

Eigentlich hat Hawking mit der Berufung eines Co-Autors nichts anderes gemacht als jeder Ottonormalverbraucher, der sich sein Bad renovieren lässt. Fliesenlegen, Installation, Putz- und Abdichtarbeiten, das ist nun mal nicht jedermanns Sache. Das Handwerk will erlernt sein und es will praktiziert werden. Mit der Erfahrung steigen die Fähigkeiten, der Mensch wächst schließlich an seinen Aufgaben.

 

Wie geht so eine Badezimmerumgestaltung und -erneuerung denn nun von Statten?

Üblicherweise stellt man sich ins Bad, fühlt sich nicht mehr wohl und geht im Geiste durch, wie dieser Umstand zu beseitigen wäre. Das Waschbecken ist oll, das muss neu. Die Duschkabine sieht aus wie eine Tropfsteinhöhle, total verkalkt, und sowieso: Eine ebenerdige Dusche mit Klarglastüren ist ohnehin zeitgemäßer. Der alte Allibert ® aus den 80ern hat seine besten Zeiten auch hinter sich. Und blau marmorierte Fliesen sind ja sowas von out... Ab in den Baumarkt!

Nach diversen zögerlichen Versuchen die Umgestaltung der Nasszelle höchstselbst vorzunehmen werden die meisten von uns jedoch feststellen, dass die handwerkliche Umsetzung einer tollen Idee in ein fertiges Produkt eben doch nicht die, anfangs mit einem Fingerschnippsen bedachte, Leichtigkeit ist.

In der Folge kann man sich damit abfinden den Rest seines Lebens Körperhygiene auf einer Baustelle betreiben zu müssen, von mit den Umständen unzufriedener Frau und Kind verlassen, oder - man lässt den Profi ran. Und alles wird gut.

 

Mit der Schreiberei ist das ganz ähnlich. Da hat jemand eine prima Idee, denkt sich ein Handlungsumfeld und Charaktere aus und spinnt sich einen Ablauf zurecht . Dann setzt sich derjenige/diejenige hin und beginnt zu schreiben.

10 Seiten. Fertig.

Alles erklärt.

Toll.

Ab in die Schublade mit dem Müll.

 

...Oder mal 'nen Profi fragen. Jemand, der sich auf storytelling versteht. Der Ideen ausschmückt und weiterspinnt, der nicht erklärt, sondern erzählt.

 

Was bitte ist daran verwerflich, oder moralisch fragwürdig? Es sei denn...

 

Es sei denn, das Ganze bezieht sich nicht auf einen literarisch-künstlerischen Zusammenhang, sondern auf einen akademischen.

Ich will hier keinem auf den Schlips treten, aber akademisches Ghostwriting ist im besten Fall Schummelei. Das sollte mal ganz klar gesagt werden. Schade, dass durch diesen Zweig unseres Berufsstandes der gesamte Begriff "Ghostwriting" in Verruf gerät. Und immer mehr in die im Titel erwähnte Grauzone gedrängt wird. Man unterscheidet irgendwann einfach nicht mehr zwischen der einen Tätigkeit, die dazu dient Gedanken und Fantasie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen um zu unterhalten, zu bilden und einfach etwas schönes zu schaffen - also Kunst - und einer anderen, die lediglich dafür bestimmt ist der Bequemlichkeit und, im schlimmsten Fall, Unfähigkeit einer selbsterklärten Elite Vorschub zu leisten und unverdiente Karrieren zu fördern.

Wer nicht über die Fähigkeit verfügt eine simple Bachelor- oder Masterarbeit zu Papier zu bringen sollte sich fragen ob er nicht in einem ehrlichen Handwerksberuf besser aufgehoben wäre. Wer seine Arbeit aus zeitlichen Gründen nicht schreiben "kann", darf gern darüber nachdenken, ob er sein Fach und seine akademische Ausbildung ernst genug nimmt.

 

So!

Jetzt habe ich aber mal Dampf abgelassen.

 

Auf die Kommentare bin ich gespannt...

 

 

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